Sonntag, 25. Mai 2008

Eine kleine Zwischenbilanz

Da ich von Mama immer erzählt bekomme dass ihr alle immer sehnsüchtig auf neue Berichte wartet, und angeblich immer soooo viele Fragen habt, die sie dann kaum beantworten kann widme ich heute mal einen Bericht den Dingen mit denen ich meine Zeit verbringe, bzw. den Unterschieden zwischen hier und New Orleans.

Eigentlich wollte ich euch ja den gähnenden Alltagskram ersparen, aber für die neugierigen Leser unter euch, hier also die Antwort auf (hoffentlich) alle Fragen:

Ich glaube die häufigste aller Fragen dürfte wohl die nach meinem Befinden sein ;-) Und da kann ich nur sagen: mir geht es hervorragend!!! Ich bin jetzt seit einem knappen viertel Jahr hier, und während in New Orleans nach dieser Zeit bereits die ersten Zweifel aufkamen, bestätigt sich hier jeden Tag aufs Neue, dass ich alles richtig gemacht habe.

Aber fangen wir doch mal bei meinem Job an. Was hat sich da so gebessert? Also, wie ihr wisst arbeite ich momentan ja in der Zimmerreservierung. War am Anfang zwar nicht so aufregend, da ich ja eher nicht so der Bürotyp bin, aber ich muss sagen man gewöhnt sich dran. Das einzige was mir manchmal fehlt ist der Kontakt zu den Gästen, den ich ja jetzt nur noch am Telefon habe. Andererseits hat das manchmal auch Vorteile, wenn ich an all die Freaks zurückdenke, mit denen ich schon zu tun hatte :-) Wobei ihr glaubt gar nicht was für verrückte Gespräche ich auch jetzt noch manchmal führe...

Wenn ich nicht am Telefon hänge, bin ich mit allerlei Papierkram beschäftigt. Seien es die Anreisen der kommenden Tage die nochmals auf ihre Richtigkeit geprüft werden müssen, oder die Verbuchung von online bookings ins Reservierungssystem, Tourgruppen (vorwiegend aus Japan) die bearbeitet werden müssen...Was halt so anfällt.

Mit mir im Office sitzen noch zwei nette Damen: Olga und Beth. Beth ist Reservation Manager, und ich habe noch nie eine relaxtere Person getroffen! Beth ist die Lockerheit in Person, also ganz im Gegensatz zu meiner ehemaligen Chefin im Monteleone, die dich schon mit ihrem Blick töten konnte ;-)

Außerdem ist sie extrem hilfsbereit und großzügig; wann immer du Hilfe benötigst, auch privat (da ganz besonders), Beth ist stets bereit. Sei es dass die uns ihr Auto leiht, oder dich durch die Gegend fährt, uns mit Handtüchern, Regenschirmen und einem Wasserkocher versorgt hat; egal was du brauchst, sobald Beth davon Wind bekommt ist sie zur Stelle. (Von ihr habe ich auch mein Handy bekommen, damit ich kein neues kaufen musste ;-))

Und als Chefin ist sie auch echt angenehm. Wenn sie was braucht dann gibt sie dir genau vor bis wann sie das erledigt haben möchte, lässt dir aber völlige Freiheit wann und wie du etwas erledigst. Jeden Tag bevor sie geht bedankt sie sich bei uns für unsere Arbeit, und manchmal dreht sie sich auch völlig aus dem Nichts zu dir rum und sagt dir wir „pleased“ sie über deine Anwesenheit ist. Da geht man doch fast schon gerne arbeiten...

...wenn die freien Tage dann nicht doch noch besser wären ;-) Denn an denen kann ich mein neues Zuhause und all das was es zu bieten hat genießen. Denn Banff mag zwar klein sein, aber bieten tut es die komplette Bandbreite an Aktivitäten: Action, Abenteuer, Spaß, Erholung, Entspannung, Party- hier findest du echt alles. Wie ich schon mal sagte, Banff ist ein großer Spielplatz für junge Erwachsene. Im Winter regiert hier der Schnee und somit das Skifahren oder Snowboarden, (eins von beidem werde ich nächsten Winter anfangen), im Sommer Biken, Kanufahren, Klettern, Wildwater Rafting, etc. Du hast hier quasi alles vor der Haustüre. Wem hier langweilig wird ist selber Schuld!

Fenland Trail

Klar, all diese Sachen macht man natürlich nicht ständig (manches davon ist auch gar nicht billig) aber wenigstens hat man die Möglichkeit! Und selbst wenn man nichts davon macht so kann man hier doch normal und uneingeschränkt leben, da Banff alles bietet was man so im täglichen Leben braucht.

Okay für euch ist das nichts besonderes, aber wenn man mal in New Orleans gelebt hat, dann freut man sich schon über Alltäglichkeiten wie einen anständigen Supermarkt (zu dem man nicht erst mit dem Taxi fahren muss)

Nee, im Ernst, so Dinge wie eine Post, ein öffentliches Schwimmbad, ein Kino, eine Bücherei, ein Spa, Zahnärzte etc, waren in New Orleans undenkbar. Ich mein, klar, die gab es da sicher auch irgendwo, aber ohne Auto hattest du keine Chance! Und das French Quarter bot nur das aller Nötigste, ganz so als würde dort niemand ernsthaft leben, sondern nur Touristen ihr Unwesen treiben!

Hier sind auch viele Touristen, keine Frage, aber in erster Linie leben hier Menschen, und diese Menschen brauchen eine anständige Infrastruktur- und dafür ist gesorgt!

Insofern steht hier einem anständigen Leben nichts im Weg, und wenn einen dann doch mal die Sehnsucht nach der großen Stadt überkommt, dann fährt man halt nach Calgary. Etwas was ich bisher zwar noch nicht gemacht habe, aber definitiv noch auf meinem Plan steht.

Bisher war ich nur in Banff. Bis auf ein paar Stunden, die ich in Canmore verbracht habe. Habe mir nämlich vor zwei Wochen ein Fahrrad gekauft. Und da es in Canmore einen großen Sportshop gibt, der seine Räder „on spring sale“ hatte, bin ich morgens mit dem Bus nach Canmore und dann mit dem Fahrrad zurück gefahren. 25 km am Trans Canada Highway entlang, teilweise über mehrere Kilometer langsam aber stetig bergauf - ja, und nachdem ich etwa sieben Monate kein Fahrrad mehr gefahren bin, tat mir der Hintern ganz schön weh als ich wieder zu Hause war. (Und auch noch zwei Tage danach L)

Aber, - jetzt habe ich ein Fahrrad, und bin darauf stolz wie Oskar J Habe letzten Sonntag auch schon meine erste richtige Fahrradtour auf dem Spray River Trail gemacht!

Oh Mann, das war ein Ding, kann ich euch sagen: die eine Seite vom Fluss ging ja noch, teilweise ging’s zwar steil bergauf und –ab, und dazu noch ziemlich steiniger Weg, aber es war zu schaffen. Auf der anderen Seite vom Fluss dann aber die Überraschung! Plötzlich war der Weg weg. Also, was heißt weg, der Weg war schon noch da, aber durch das ganze Schmelzwasser, dass von den Bergen kommt, total überflutet. Tja, was nun? Rumdrehen und alles zurück – nee danke!!! Also dann, Hose hochkrempeln und durch J Hab noch zwei andere Biker getroffen die vor der selben Entscheidung standen und mit denen ich dann zusammen weitergefahren bin. Was auch gut war, denn der überschwemmte Weg war nicht das einzige Hindernis dass es zu überqueren galt!

Kaum hatten wir den kleinen See hinter uns gelassen, kreuzte auf einmal ein Wasserfall unseren Weg. Etwa 2,5m – 3m breit, rauschte das Wasser an uns vorbei. Na super, was jetzt? Die beiden Jungs, beides erfahrene Mountainbiker, nahmen etwas Anlauf und fuhren einfach durch. Den ersten legte es dabei beinahe hin, der zweite schaffte es grade so durch, ohne an einem der Felsbrocken hängen zu bleiben. Ihr könnt euch also denken wie’s mir ging, als ich die beiden auf der anderen Seite gesehen habe, und wie sie da auf mich warteten. Ich dachte mir nur „hey, ihr glaubt doch nicht im Ernst dass ich da jetzt auch durch fahre?!?!?“

„Na komm, mit Schwung schaffst du’s durch!“ (Oh Gott, die glauben das also wirklich!) Hmmm, okay, viel anderes bleibt mir ja auch eigentlich nicht übrig, also 1...,2...,3...los.

Ich trat in die Pedalen und dann ging’s quer durchs Wasser über jede Menge Steine hin zur anderen Seite. Als ich fast drüben war, blieb mein Vorderrad an einem Stein hängen. Logischerweise verlor ich den Schwung und musste mich schnell mit meinem Bein abstützen um nicht umzukippen. Ich setzt also schnell meinen Fuß ins Wasser, aber zu spät - ich kippte mit samt dem Rad um und befand mich auf einmal sitzenderweise im rauschenden Wasser ;-) Justin und Peter halfen mir dann wieder raus, aber ich war klatsch nass J Gott sei dank war es an dem Tag echt warm, und meine Sachen trockneten schnell wieder. Außerdem waren meine Turnschuhe wenigstens wieder sauber (die waren nämlich total matschig, nachdem wir den überschwemmten Pfad durchquert haben) War also alles nicht so schlimm, aber dumm ausgesehen hat’s bestimmt J

Naja, jedenfalls kamen noch mal zwei Wasserfälle die wir überqueren mussten, bei einem schob ich mein Rad durch (meine Schuhe waren ja eh schon durchtränkt ;-)) beim anderen halfen mir die Jungs noch mal indem sie es rübertrugen, und ich so einfach nur durchlaufen musste J Ist schon schön ein Mädchen zu sein ;-)

Hab leider nur ein paar Fotos vom ersten Teil des Trails, da ich mich auf dem zweiten Teil einfach zu sehr auf die Strecke konzentrieren musste, als dass ich Zeit gehabt hätte Bilder davon zumachen. (Obwohl ich jetzt im Nachhinein schon ganz gerne das ein oder andere Bild unserer Hindernisse gehabt hätte, manno!!!) Naja, ein anderes Mal.

Spray River Trail

Nach der Radtour saßen wir noch ein bisschen am Bow River herum um uns zu sonnen (in meinem Fall eher zum Trocknen J), und als wir allmählich Hunger bekamen entschlossen wir uns noch schnell ein paar Burger zu kaufen und dann zu grillen. Ah, by the way, das ist noch etwas was einfach toll ist hier in Banff: egal wohin du gehst, du triffst immer nette Leute die dieselbe Idee hatten wie du. Und eh du dich versiehst hast du neue Bekannte mit den du rumhängen kannst ;-)

So, jetzt ist der Bericht ja doch ganz schön lang geworden. Hätte ich gar nicht gedacht. Und dabei hab ich doch noch gar nicht alles erzählt was ich in den letzten Wochen noch so gemacht habe. Aber was soll’s kann ja noch mehr Berichte schreiben, gell?

Also dann, immer schön dran bleiben- Fortsetzung folgt!