Freitag, 28. Dezember 2007

Merry Christmas

Man sollte meinen, dass Weihnachten in den USA mal wieder ein Fest der Superlative ist, von gigantischem Ausmaß, so ganz nach dem Motto: big, bigger, USA...

Aber, ganz ehrlich, ich glaube so belanglos wie dieses Jahr habe ich Weihnachten noch nie verbracht!
Das mag zum einen daran liegen, dass schon den ganzen Dezember über kein so richtiges Weihnachtsfeeling aufkommen wollte, trotz Straßendekorationen und Weihnachtsmusik, und zum anderen daran, dass hier am 24. Dezember nichts, aber auch gar nichts los ist!
Denn wie ihr wahrscheinlich wisst, beschränkt sich Weihnachten in den USA auf einen einzigen Tag, nämlich den 25.Dezember. Am Morgen desselbigen findet in den amerikanischen Familien das statt, was wir in Europa am Abend vorher zelebrieren. Nämlich um den Baum herum sitzen, Geschenke auspacken und viel zu viel essen. Dannach ist eigentlich auch schon wieder alles vorbei- viele Geschäfte und Restaurants öffnen sogar am Nachmittag wieder ihre Türen, die ausnahmsweise für ein paar Stunden geschlossen waren.

Was macht man also als Europäer an einem Heilig Abend, der keiner ist? Tja, gute Frage die sich Kirsten, Aryane und ich auch schon den ganzen Tag über gestellt haben... Einfach so vorbeigehen lassen?! Nee, das kann man irgendwie nicht machen- schließlich ist doch Weihnachten (auch wenn wir uns daran seber immer wieder erinnern mussten)! Wir beschlossen also wenigstens zusammen was essen zu gehen, wenn wir schon auf den ganzen Rest verzichten mussten.
Also trafen wir uns gegen sieben und gingen zusammen in die Louisiana Pizza Kitchen- hat bisher auch noch keiner von uns gemacht, an Heilig Abend Pizza essen gehen- war mal was anderes!
Während dem Essen überlegten wir uns ob wir hinterher vielleicht noch zum Jackson Square gehen sollten, da dort jedes Jahr um Mitternacht eine angeblich ziemlich tolle Messe stattfindet, für die man allerdings schon Stunden vorher anstehen muss, wenn man noch einen Platz in der Kirche bekommen will. Daher liesen wir die Frage ob wir hingehen würden erst mal offen im Raum stehen.

Als wir nach dem Essen dann aber wieder raus auf die Straße sind verwarfen wir die Idee mit der Messe schnell wieder, da es an diesem Abend ungewöhnlich kalt war und keiner länger draußen bleiben wollte um sich die Beine in den Bauch zu stehen. Da keiner ne Idee hatte was man sonst noch mit diesem Abend anstellen könnte gingen wir direkt nach Hause...

Wie mein Heilig Abend zu Ende ging: nun ja, wie ich schon sagte, es war ziemlich kalt und ungemütlich- und was macht man an solchen Abenden am besten? Man geht früh schlafen;-)




Am 25. Dezember musste ich wieder arbeiten, worüber ich aber eigentlich ganz froh war. Es war ein ziemlich ruhiger fast schon langweiliger Abend, also total easy going. Nach der Arbeit habe ich eine kleine Runde durchs French Quarter gedreht, um noch ein paar Fotos von den teilweise doch sehr kitschigen Weihnachtsdekorationen zu machen. Mein Favorit sind aber immer noch die "Weihnachtspalmen" :-)

Als ich grad wieder nach Hause kam, habe ich Nick und Ringer getroffen, die mich dazu einluden noch mit ihnen und den anderen Jungs ins Pat O'Briens zu gehen. Das habe ich dann auch gemacht, und es wurde ein noch echt lustiger Abend. Außer uns schien außerdem noch halb New Orleans dieselbe Idee gehabt zu haben, denn so voll habe ich das Pat O'Briens noch nie erlebt!!! Es waren so viele Leute da, dass man kaum laufen konnte!!! Nur zur Erinnerung, wir schrieben immernoch den 25. Dezember: Feiertag, Fest der Familie etc. Und ich kam nicht umhin zu denken: "so verbringen die Amis also ihren Weihnachtstag- morgens besinnlich, abends besoffen" ;-)
Weihnachten in New Orleans

Montag, 10. Dezember 2007

Swamp Tour, oder – wo sind nur die Krokodile?

Anfang Dezember hatte ich Besuch aus Kanada. Papa und Barbara sind für vier Tage nach New Orleans gekommen, was mir nicht nur drei freie Tage bescherte, sondern auch einen kurzen Ausbruch aus dem Alltag ;-)

Habt ihr schon mal Besuch aus dem Ausland gehabt, und bemerkt was das für einen selber bedeutet? Kaum zeigt man den Besuchern die Gegend in der man lebt und sich rumtreibt, fühlt man sich wieder selbst wie ein Tourist. Und das im eigenen Zuhause.

Aber das ist eigentlich ganz gut, denn da ich selber nie die Zeit hatte wirklich Urlauber in New Orleans zu sein hat es mich umso mehr gefreut nun auch mal selber die Touristenattraktionen mitmachen zu können. Eine dieser Attraktionen, um die kein Tourist der ernsthaft New Orleans erkunden will herumkommt, ist die sogenannte „Swamp Tour“.

Bei einer Swamptour handelt es sich um eine geführte Tour durch die swamps, also den Sumpfgebieten des Mississippi, bei der man dann mit ein bisschen Glück Krokodile entdecken kann. Die Swamptour ist der Renner unter den Touren die man in New Orleans machen kann, deshalb habe ich mich darauf auch ganz besonders gefreut;-)

Mir einem Tourbus wurden wir und etwa 20 andere Touristen aus der Stadt ins nahe gelegene Westwego gefahren. (Wer über den Namen stolpert muss ihn nur mal langsam, Silbe für Silbe lesen: West- we- go. Womit auch geklärt wäre wo sich jene Stadt befindet, und wie der Name zustande kam...Richtig- von den ersten Siedlern die es nach Westen zog;-)) Diese und noch mehr Geschichten vom früheren New Orleans erzählte uns der Fahrer auf der Fahrt dorthin und erklärte, an noch anderen amüsanten Beispielen, warum hier unten im Süden das ein oder andere eben doch etwas anders läuft als im Rest der USA.

Nach einer halben Stunde etwa kamen wir an unserem Zielort an, an dem schon ein, nennen wir ihn mal Naturforscher, auf uns wartete.

Er erzählte uns etwas über die verschiedenen Tiere und Reptilien die man in den swamps so finden kann, und hat uns zu unserem besseren Verständnis ein paar seiner „Haustierchen“ gleich mal als lebende Vorführexemplare mitgebracht. Darunter waren eine kleine Schlange (sein „Baby“), eine Schnapp- Schildkröte (wenn die zubeißt hast du keinen Finger mehr) und ein kleines Krokodil, zur Einstimmung auf die hoffentlich etwas größeren Exemplare in den swamps!!! Will jemand streicheln???

Dann ging’s rauf aufs Boot, und nachdem jeder einen Platz eingenommen hatte schipperten wir langsam los. Jeder von uns suchte aufmerksam die Wasseroberfläche oder die Ufer ab und starrte angestrengt auf jeden noch so lebendig aussehenden Baumstamm. Aber außer Fischreihern, skurrilen Bäumen und anderen merkwürdigen Gewächsen sahen wir nichts. Als ich schon das Gefühl hatte dass heute wohl kein guter Tag war um Krokodile in freier Wildbahn zu sehen, stoppte der Kapitän plötzlich mit einem Ruck den Motor und zeigte ganz aufgeregt auf eine mit Wasserpflanzen bedeckte Stelle im Wasser. Und da, auf einmal, konnte ich sie sehen: ein paar grüne Augen, die neugierig, oder auch gelangweilt aus dem Wasser starrten. Der Rest des Körpers war kaum zu erkennen, bzw. hätte von einem Baumstamm kaum unterschieden werden können.

Aber nachdem wir nun also mit Hilfe des Kapitäns wussten, wonach wir schauen mussten (nämlich nach irgendetwas das aussah wie Baumstamm, aber vielleicht auch Krokodil sein könnte ;-)) ging es ein wenig einfacher die versteckten Krokodile unter der Wasseroberfläche ausfindig zu machen. Trotzdem erforderte es immer noch extremste Aufmerksamkeit von jedem der Teilnehmer. Und so ein bisschen hatte die ganze Tour etwas von "die Nadel im Heuhaufen suchen" :-) Aber es hat geklappt- und immer wenn einer was entdeckt hat, hat er gleich den anderen Bescheid gegeben, und man hat sich gegenseitig geholfen das vermeintliche Krokodil ausfindidig zu machen.

Insgesamt ging die Tour so etwa eine Stunde, und als wir wieder am Dock ankamen, hatten wir doch ein paar schöne Exemplare vor die Linse bekommen. Aber schaut doch einfach selbst:

swamptour