Samstag, 20. Dezember 2008

-42 Grad -schlimmer geht immer

Ein frostiges Hallo an alle aus dem eisig kalten Banff!!! :-)

Ohhh Mann, ich kann euch sagen der Winter ist da, und zwar richtig! Mit Rekordtemperaturen von -42 Grad, und dem ehrenwerten Titel „kältester Punkt in Kanada“, hat es Banff letzten Montag sogar in die Landesnachrichten geschafft! So kalt war es hier laut Statistik bereits seit über zehn Jahren nicht mehr, und so musste den Leute natürlich gleich mal auf allen Sendern in den Nachrichten ein Bild davon vermittelt werden, wie wir uns hier den Allerwertesten abfrieren!


Und für alle diejenigen unter euch, die bereits bei –5 Grad das Jammern anfangen, werde ich euch mal einen kleinen Einblick davon vermitteln, was es heiß an einem Ort zu leben, in dem in der täglichen Wettervorhersage die Tageshöchsttemperatur mit –25 Grad angegeben wird!

Öffnet man die Haustür, steht man augenblicklich in einer weißen Wolke, wenn die warme Innenluft nach draußen strömt und man selbst läuft erstmal gegen eine Wand. Eine Kältewand die einem das Gesicht und jede unbedeckte Stelle des Körpers gefrieren lässt. Nach ein paar Sekunden ist der erste Kälteschock überwunden, aber nun kommt der nächste. Denn irgendwann nimmt schließlich jeder seinen ersten Atemzug im Freien. Und bei –20/30/40 Grad einzuatmen ist eine wirklich interessante Erfahrung: auf der Stelle, noch vor dem eigentlichen Atemzug gefriert die Nasenschleimhaut was erst ein wenig kribbelt und sich dann so anfühlt als hätte man sich etwas in die Nase gesteckt. Das Einatmen durch die Nase wird so derartig schmerzhaft, dass man es besser sein lässt! Bleibt noch der Mund. Doch auch hier wir es nicht viel angenehmer: ein tiefer Atemzug bei –40 Grad ist als ob man ersticken würde. Die Kälte rinnt erst wie Glassplitter durch die Kehle, macht sich dann in den Lungen breit und verursacht einen solchen Hustenreiz als hätte man einen üblen Schlag auf den Rücken verpasst bekommen! Aber, ich beginne so langsam wirklich zu glauben, dass diese ungeheure Kälte das Potential hat Grippeviren zu töten. Denn bisher habe ich noch niemanden gesehen der hier krank ist. Vermutlich kann einfach kein Bazillus dieser Kälte trotzen :-)

Hat man den ersten Moment im Freien überstanden, gewöhnt sich der Körper recht schnell an die extreme Kälte. Allerdings geht nichts ohne außreichende Winterkleidung. Denn trotz Handschuhen, Mütze, Schal etc. spürt man regelrecht wie sich die gesamte Körperwärme in die Körpermitte zurückzieht. Finger, Zehen, Ohren, ja selbst das ganze Bein oder der komplette Arm werden mit der Zeit taub und grau.

Wenn man hier aus dem Haus geht, dann so als hätte man vor die nächste Bank zu überfallen. Außer einem kleinen Spalt für die Augen bleibt nichts unbedeckt. Man zieht sich zwei-, drei- oder sogar vierlagig an, und trotzdem sieht man aus wie eine Schneeleiche wenn man sich auch nur länger als fünf Minuten mal nicht bewegt. Durch den Schal, der um das Gesicht gewickelt ist, steigt der Atem wieder nach oben, was ihn dann in den Wimpern und Augenbrauen wiederum gefrieren lässt. So kommt es, dass man nach einer kleinen Weile ganz weiße, frostige Augenbrauen hat und sich in den oberen Wimpern kleine Eiskristalle gebildet haben, die wiederum, wenn man die Augen zu lange zu lässt, mit den unteren Wimpern zusammenfrieren :-) Ich sag euch, das sind alles seeehr interessante und teilweise auch wirklich lustige Erfahrungen, die man hier macht.

Das einzig positive an dieser Wahnsinnskälte ist, dass es trockene Kälte ist, die einem zwar beinahe das Blut in den Adern gefrieren lässt aber sich nicht so fies durch die Knochen und Gelenke zieht wie diese nasskalten 0 Grad die ich noch sehr gut aus Deutschland in Erinnerung habe. Bei der Kälte die ich noch von zu Hause kenne, ist einem von innen heraus durch und durch kalt und man wird den ganzen Tag nicht wieder warm. Hier hingegen ist es wirklich rein äußerlich. In einem Moment stirbt dir fast dein Bein ab, im nächsten Moment ist alles wieder in Ordnung! Das einzige was die Kälte hier noch unangenehm werden lassen kann, ist der sogenannte windchill. Windchill erhöht den Kältewert, macht die gefühlte Temperatur noch eisiger und lässt unbedeckte Haut binnen Sekunden erfrieren. Minus 30 Grad ohne Wind fühlt sich weit wärmer an und ist ungefährlicher als minus 20 mit Wind. Man sagt das der Windchill die tatsächliche Temperatur ungefähr verdoppeln kann. Bei Wind tränen dir die Augen so sehr als würdest du regelrecht weinen. Und jede Träne die dir die Wange runterläuft gefriert auf der Stelle auf deiner Haut.

Geht man mal vom eigenen Körper weg, merkt man aber auch so in vielen Bereichen die eisige Kälte. Beispielsweise gefrieren hier selbst doppeltverglaste Fenster von innen! Kein Witz! Gefrorenes Kondenswasser sorgt dafür; selbst bei laufenden Innenventilatoren, die zu hohe Luftfeuchtigkeit nach außen ziehen. Denn die Heizsysteme hier sind gleichzeitig Luftaustauscher, damit man im Winter kein Fenster öffnen muss um an Frischluft zu gelangen. Alles was ich bisher übers Lüften gelernt habe („sie müssen viel lüften um Schimmel zu vermeiden etc“) kann ich hier grad vergessen. Das gilt hier alles nicht! Naja, und Fenster aufmachen geht im Augenblick sowieso nicht, da sie wie schon erwähnt zugefroren sind :-)

Bei solchen Temperaturen sieht man zum Beispiel auch die Leute ihr Auto zehn Minuten vorwärmen, bevor sie losfahren. Nach dem Einsteigen in das Auto stellt man fest, dass der Sitz sich ungewöhnlich hart anfühlt weil er steif gefroren ist. Geparkte Auos am Straßenrand sondern weiße Wolken ab, da die Besitzer den Motor laufen lassen, bis sie vom Einkaufen zurück sind. Umweltschutzgedanken geraten bei der Vorstellung in ein eiskaltes Auto einsteigen zu müssen, das dann womöglich noch nicht mal mehr anspringt in Vergessenheit.

Aber auch als Fußgänger trifft man auf ganz neue Phänomene. So knirscht zum Beispiel der Schnee über den man läuft extrem, und ist man auch für nur fünf Minuten an der frischen Luft, knirscht die Winterjacke bei jeder Bewegung genau wie der Schnee. Die ganze Welt um einen rum wird zur Tiefkühltruhe. Trägt man eine leere Plastikflasche in der Handtasche mit sich rum, so hat sich diese bis man zu Hause angekommen ist komplett zusammengezogen. Und kauft man frisches Obst im Supermarkt, kann man zu Hause einen Teil davon gleich wieder entsorgen, da es bereits auf dem Heimweg Frostschäden erlitten hat.

Aber all das sind Dinge und Erfahrungen die, wie ich finde sehr interessant sind. Und auch wenn ich den Sommer und seine heißen Tage in jeder Hinsicht diesem Wetter hier vorziehe, bin ich doch irgendwo froh das alles einmal miterleben zu können. Einfach nur der Neugier halber, und um zu wissen wie es ist wenn man bei –18 Grad bereits wieder von „warm“ spricht :-)

Montag, 20. Oktober 2008

Das Glück dieser Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde

Wer kennt diesen Spruch nicht? Und was gibt es ursprünglicheres als die Rocky Mountains auf dem Rücken eines Pferdes zu erkunden? Und so habe ich neulich endlich das gemacht was schon seit Monaten auf meiner „to do Liste“ steht, und ich auch eigentlich schon längst abgehakt haben wollte. Und zwar war ich horseback riding!

Warner Stables ist eine kleine Pferderanch am Südende von Banff, und bietet Touristen wie auch Locals verschiedene Trail Rides an. Von ein- bis mehrstündigen Ausritten, über Tagestouren bis hin zu ganzen Reiterferien, kann alles gebucht werden.

Wir entschieden uns für den Sundance Loop Ride, einer Tour die durch Cave & Basin (den ursprünglichen Hot Springs) führt, dann am Bow River entlang, ein Stück weit bergauf zum Windy Knoll Aussichtspunkt, und dann schließlich wieder zurück zu Warner Stables. Der Ritt dauert etwa 2 Stunden, und man hat eine herrliche Aussicht auf die Umgebung!

Wir, das waren Susan, Katharina, Vanessa, Lisa, Nathalie und ich, haben die 10 Uhr Tour gebucht, da einige von uns am Mittag noch arbeiten mussten. Wir hatten ziemliches Glück mit unserer Gruppe, denn außer uns war nur noch ein Japaner dabei, was die Tour beinahe zu einem Privatvergnügen gemacht hätte. Allerdings sollte dieser Japaner sich dann doch noch als die gößte Lachnummer herausstellen, weswegen jeder ganz froh darüber war, ihn mit dabei zu haben :-) Aber dazu später...

Nachdem wir uns alle komplett bei Warner Saples eingfunden hatten, wurde uns kurz erklärt wo wir ausreiten würden, dann wurde jeder von uns mit seinem Pferd bekannt gemacht. Meins hieß Aveno, und ist angeblich ein gaaaanz artiges Ausrittspferd, das keine Mucken macht. Gut, dann wäre das also geklärt :-)

Nun ging es ans Aufsitzen. Und hmmm, was soll ich dazu sagen, außer: ähm, wie soll ich bitte schön, aus dem Stand heraus, in Jeans (!), meinen Fuß in etwas stellen, dass oberhalb meiner Hüfte hängt und dann auch noch davonläuft???

Aber Gott sei Dank gab es ja dann doch noch die echten Cowboys, die dummen Touristen wie uns, auf idiotensichere Weise in den Sattel helfen. „Stellst du einfach nur linken Fuß in linken Steigbügel, streckst dich auf das doppelte deiner Größe, ergreifst den Sattel und ziehst dich mit Schwung hoch. Und wenn ich dir dabei an den Hintern grabschen darf geht’s leichter!“ Na wenn das so ist... ;-) Und siehe da- funktioniert einwandfrei!!! :-)

Mit ein bisschen Hilfe also, hat es dann auch jeder von uns geschafft gleich aufzusitzen. Moment, sagte ich jeder? Wenn ja, dann muss ich mich korrigieren! Denn einer hat es vorgezogen alleine aufzusitzen. Richtig, unser netter Möchtegern-Cowboy aus Japan! Ich mein, es war ja schon ein Bild für die Götter, wie er da so in seiner Lederjacke und Designersonnenbrille ganz lässig, cool neben dem Pferd stand, aber es sollte noch besser kommen! Denn als er dann die Hilfe beim Aufsitzen ablehnte dachte schon jeder so „oh, das könnte interessant werden“

Und wurde es in der Tat auch! Seinen, auf Hochglanz pollierten Schuh, in den Steigbügel zu setzen und dabei die Balance auf den Zehenspitzen des anderen Beins zu halten, ging noch ganz gut. Aber was dann folgte grenzt an Tierquälerei! Statt sich wie alle anderen am Sattel des Pferes festzuhalten, und sich mit Schwung hochzuziehen, zog es Mr. „Ich-kann-es-alleine“ vor, sich doch direkt am Pferd festzuhalten, genauergesagt dessen Mähne. So zog er sich dann krampfhaft seinen Weg nach oben, verpasste dem armen Tier dabei noch einen Tritt in dessen Bauch, als er zu früh versucht hat sein rechtes Bein auf die andere Seite zu bekommen und war selbst dem Ersticken nahe....!!! Glaubt mir, dieses Pferd war ein Heiliger!

Als wir dann schließlich ALLE unsere Position als Reiter eingenommen hatten, bekamen wir noch ein paar Instruktionen mit auf den Weg, die uns dabei helfen würden, die Pferde dazu zu bringen das zu tun was wir von ihnen wollen. Naja, und dann gings los:

Der Guide ritt allen voraus, dicht gefolg von unserem japanischen Freund, und so trabten wir in einer Linie, alle schön hintereinander her.

Da die Pferde alle sehr gut trainiert waren, und solche Touren auch mehrmals die Woche machen, ging das auch alles von ganz alleine. Sie reihten sich ganz von selbst ein, folgten dem Pferd vor sich auf Schritt und Tritt, und hielten an dem Tempo fest das vorgelegt wurde. Man selbst musste eigentlich nicht wirklich viel machen. Selbst wenn es um die Kurve ging, musste man nur seltenst die Zügel benutze, um dem Pferd die Richtung zu weisen.

Das gab einem dann die Gelegenheit sich die Gegend anzuschauen, Fotos zu machen, und ab und zu mal einen Blick zurück zu den anderen zu werfen.

Wobei ich zugeben muss, dass der Blick nach Vorne eindeutig spannender und auch lustiger war! Die Show die der Japaner abzog war einfach nur einmalig :-) Ganz cool saß er im Sattel, eine Hand am Zügel, die andere schwang immer schön lässig neben dem Körper oder über dem Kopf her, so als wolle er jeden Moment sein imaginäres Lasso auswerfen. ;-) Yeah, das war sein Moment, sein Kindheitstraum, sein Marlboro Country! Er und sein Pferd, zusammen im Einklang der Natur - und jeder sollte es sehen :-) Und wir sahen es, jeder von uns! Nur konnten wir uns allerdings alle kaum das Lachen verkneifen :-)))

Und so ritten wir dann eben durch Wald und Wiesen, insgesamt zwei Stunden lang. Was zwar einerseits wie im Flug vergeht, andererseits dann aber auch echt reicht. Denn mit der Zeit tut einem schon ganz schön der Hintern bzw. das Steißbein weh. Vor allem wenn das Pferd dann ab und zu lostrabt, und man bei jedem Schritt hart im Sattel aufkommt. Außerdem war es an diesem Morgen auch noch recht frisch, und wir alle ganz schön durchgefroren als wir dann wieder bei Warner Stables ankamen.

Daher gab es auch nur noch ein schnelles Gruppenfoto bevor wir wieder nach Hause sind :-)

Dienstag, 30. September 2008

The beauty of fall...

So, nach einem kurzen Besuch in der Heimat bin ich nun bereits wieder seit ein paar Wochen zurück in Kanada und habe schon wieder ganz viele tolle Dinge erlebt, die ich euch heute erzählen und auch zeigen will. Denn wie immer gibt’s natürlich auch dieses Mal wieder vieeele schöne Fotos. Und ich denke ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage dass euch ein paar von den Bildern wahrscheinlich den Atem rauben werden ;-)

Aber erstmal der Reihe nach: als ich am 25. September wieder in Calgary gelandet bin, da musste ich überrascht feststellen, dass sich, in den zehn Tagen die ich außer Landes war, hier landschaftlich gesehen so einiges verändert hatte!

Keine Angst die Berge sind alle noch da ;-) aber die Wälder die diese bedecken, erstrahlten nun in einem so satten Gelb, wie ich es noch niemals zuvor gesehen habe...

Normalerweise wenn man an den Herbst in Kanada denkt, fällt einem gleich das Stichwort „Indian Summer“ ein. Nun, so ein richtiger Indian Summer ist das hier draußen im Westen zwar nicht, denn dazu fehlen hier einfach die klassisch rotverfärbten Ahornbäume, aber dennoch ist die Verfärbung der Blätter und Nadeln hier einfach nur atemberaubend! Du findest eine solche Vielzahl von Gelb-und Goldtönen, das ist unbeschreiblich. Dazu dann noch dieser unglaublich blaue Himmel, und du hast eine Szenerie wie im Bilderbuch!!!

Da das Wetter auch in den darauffolgenden Tagen äußerst freundlich war, habe ich nicht nur ein super schönes Geburtstagswetter gehabt, sondern auch am Tag drauf die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, und bin mit Olga und Reto raus ins Grüne gefahren. Oh 'tschuldingung, ich mein natürlich Gelbe:-)

Die Idee kam uns ganz spontan am Abend davor auf meiner Geburtstagsfeier, als wir ,so mehr aus Spaß meinten, dass dieses letzte Wochenende im September, wohl eine der letzten Gelegenheiten bieten würde noch einmal ein paar Sonnenstrahlen einzufangen, bevor dann der frühe und lange Winter kommt. Daraufhin meinte dann Olga nur so „wisst ihr was? Lasst uns doch morgen ins Larch Valley gehen. Denn wenn es irgendwo einen Ort gibt, an dem man einen schönen Herbsttag voll auskosten kann, dann ist es diese Hochebene oberhalb vom Morraine Lake!!!“ Dann erzählte sie uns von dem goldenen Glanz und Leuchten der Bäume, die in einem krassen Kontrast zu dem tiefblauen Himmel und den bereits mit Schnee bedeckten Bergen stehen, und wahnsinnig schöne Fotomotive darstellen würden.

Und naja was soll ich sagen, das klang einfach so vielversprechend, das mussten wir natürlich gleich in Echt sehen!!! Geht ja gar nicht anders :-)

Also haben wir uns dann am Sonntag gleich morgens in der Frühe getroffen und sind mit dem Auto zum Morraine Lake gefahren. Von dort aus begann dann unsere kleine Wanderung. Vom See aus bis zum valley sind es zwar nur 4,2 Kilometer, aber die haben es in sich :-)) Der erste Kilometer geht noch recht gemütlich am See entlang, eine leichte Steigung, aber nicht weiter tragisch. Aber dann, dann geht es auf 3,2 Kilometern steil bergauf!!! Und ich meine wirklich steil. Immerhin muss ein Höhenunterschied von etwa 550m überwunden werden ;-)

Der Aufstieg dauert so etwa eineinhalb bis zwei Stunden. Der Weg den man dabei zurücklegt, führt immer schön in Kehren durch den dichten Wald, mal linksrum, mal rechtsrum! Immer wieder mal eröffnet sich einem, durch die Bäume hindurch, der Ausblick auf den türkisfarbenen Morraine Lake; was einem wiederum jedesmal wieder eine gute Ausrede dafür liefert eine kleine Verschnaufspause einzulegen ;-) Dann geht es wieder weiter, steil bergauf- sind wir bald da??? *quengel*

Und dann plötzlich, wie durch ein Wunder, lichtet sich der Wald und geht stattdessen in weites alpines Hochland mit offen Wäldern aus Lärchen und großflächigen Wiesen über.

Dort angekommen erwartet einen eine Aussicht, für die es im ersten Moment keine Worte gibt, die ihr gerecht werden würden. Wahrscheinlich war deshalb auch jeder von uns dreien erstmal einfach nur total sprachlos. Na gut, vielleicht auch ein bisschen weil wir alle noch ganz aus der Puste waren ;-))

Aber schaut es euch doch einfach selbst an!!! Und stellt euch dabei vor, ihr stündet dort wirklich inmitten dieses Goldrausches, könntet die Reinheit der Luft mit jedem Atemnzug in euch spüren, und den Wind der euch um die Nase weht fühlen. Mal ehrlich, ist das nicht einmalig schön?

Larch Valley

Der Weg führte dann auf weiteren 2,8 Kilometern durch das Valley, bis zu einem der Minnestimma Lakes, was soviel wie „schlafendes Gewässer“ bedeutet. Auf einem der vielen Felsblöcke im Valley haben wir erstmal eine kleine Rast eingelegt, etwas gegessen und uns gesonnt, dann sind wir weiter gelaufen bis ans Ende des Valleys. Von dort aus geht ein anderer hike los, der Sentinel Pass, der mit 2605m der höchste Punkte auf ausgeschriebenen Wanderrouten in den Canadian Rockies ist.

Allerdings ist das nochmal ein weiterer Anstieg von etwa 2 Stunden Länge, und da es bereits Nachmittag war beschlossen wir, uns wieder an den Abstieg zu machen und stattdessen noch den „rock mountain“ am Morraine Lake zu erklimmen, von wo aus man ein tolles Panorama auf den See und die Berge drumherum hat :-)

Nachdem wir dann also noch eine kleine Weile das Panorama genossen und unzählige Fotos gemacht hatten, fuhren wir wieder nach Hause. Immer noch total eingenommen von den vielen schönen Eindrücken und Momenten des Tages, redeten wir auf der Fahrt nach Hause fast kein Wort...

Und auch heute noch ist der Ausflug ins Larch Valley eines der Erlebnisse, die noch ganz tief in mir nachwirken wenn ich auch nur daran denke.

Ein nachträglicher Geburtstagsausflug wie er nicht besser und schöner hätte sein können!!!


Sonntag, 31. August 2008

1 year abroad – ein Rückblick auf 12 tolle Monate im Ausland

Wie der Titel schon andeutet, soll dieser Bericht ein kleiner Rückblick auf das letzte Jahr sein das ich im Ausland, besser gesagt in zwei Ländern verbracht habe.

Für alle die es kaum glauben können, dass mein Aufbruch nach New Orleans bereits über ein Jahr zurückliegt, die kann ich beruhigen: als ich hier in Kanada am 18. August morgens aufgewacht bin, konnte ich es selbst nicht fassen, dass ich genau 365 Tage zuvor noch in Stuttgart am Flughafen saß, oder noch besser, vor 366 Tagen in Möhringen beim Italiener ein letztes Mal mit meiner Familie essen war!!! Wie viel ist doch in diesem Jahr passiert...

Wie ihr wisst habe ich die ersten 5 Monate des letzten Jahres in New Orleans verbracht. Habe mitten im French Quarter mit anderen Interns aus Europa in einem Haus direkt neben dem Hotel gelebt und meine Freizeit damit verbracht dass unglaubliche Wetter zu genießen oder am Abend auf der berühmt berüchtigten Bourbon Street in Flip Flops entlangzuschlendern.

Ich habe viel über American Football gelernt, Marching Bands gesehen, bin mit einem Boot durch die Swamps gefahren und habe lebende Krokodile beim Sonnenbaden beobachtet. Weiß jetzt wie Beignets aus dem Café du Monde schmecken und wie das Orgelspiel der Raddampfer auf dem Mississippi klingt. Ich habe Jazzbands und andere Musiker auf offener Straße Konzerte geben sehen, bin mit dem Streetcar gefahren und habe mit Freunden ein Taxi gemietet um zu Walmart zu fahren. Außerdem weiß ich jetzt das Brillen auch beim Schritt ins Freie beschlagen können und dass man im Sommer dort keine 100m weit laufen kann, ohne komplett durchgeschwitzt zu sein ;-)

Die nächsten zwei Monate war ich dann in Toronto. Habe mich dort bei dem Versuch eine work permit zu erlangen mit dem kanadischen Behördenwesen amüsiert, bin durch unendliche Schneemassen daran erinnert worden, dass es ja eigentlich Winter ist (das scheint in New Orleans nämlich irgendwie an mir vorbei gegangen zu sein) und habe jede Gelegenheit genutzt mit der Barbara meinen Kleiderschrank mit noch mehr „nichts zum Anziehen“ zu füllen ;-)))

Na ja, und seit einem halben Jahr bin ich nun hier in Banff. Habe bereits die ein oder anderen Berge erklommen, war in heißen Quellen baden, Wildwasser raften, Kanu fahren und klettern. Und wenn in etwa 10 Wochen die Skisaison beginnt, werde ich endlich Ski fahren lernen. Damit dürfte ich dann auch so etwa die nächsten fünf Monate beschäftigt sein, denn der Winter ist hier lang...

Als ich damals aus Deutschland weg bin wurde ich immer wieder mal von Freunden und Familie gefragt, ob ich denn nicht Angst hätte so ganz alleine so weit weg zu gehen.

Also Angst kann ich nicht sagen - Aufregung vielleicht. Aber ich war viel zu neugierig auf all das Neue das mich erwartete: die neuen Menschen die ich treffen, all die Dinge die ich sehen und erleben würde.

Ich hab mir immer gesagt: egal wohin man geht, man ist dort nie lange alleine. Und genau so war es auch! Seien es die Staaten oder jetzt Kanada- man bekommt so schnell Kontakt zu den Menschen hier. Zuerst natürlich mit den eigenen roommates und den Arbeitskollegen; aber dann nach und nach auch mit anderen Leuten. Denn hier ist alles und jeder recht locker. Der Amerikaner oder Kanadier beherrscht den Small Talk meisterhaft und dadurch kommt es nicht selten vor, dass man von einer völlig fremden Person im Supermarkt, im Aufzug, im Bus oder einfach nur auf der Straße angesprochen wird und man sich beginnt kurz zu unterhalten.

Und damit wären wir auch beim nächsten Thema angekommen, auf das ich schon mehrmals vor meinem Abflug angesprochen worden bin: die Sprache!

Manche von euch haben mich gefragt, wie ich das denn machen würde, wo doch hier alles nur auf Englisch abläuft... ? Naja, eben auch englisch reden! Was denn sonst?!?! ;-))) Ja, aber ob das denn nicht schwierig werden würde...?

Ich muss dazu sagen, dass ich schon bevor ich hierher kam recht gut Englisch sprechen konnte. Ich würde mal behaupten fließend, und wenn ich auch nicht immer alle Wörter und Redensarten konnte, so konnte ich mich doch immer normal unterhalten. Viele Amerikaner bei uns im Millennium Hotel haben mich häufiger gefragt woher ich so sprechen könnte und auch bei meinem Kanadaurlaub 2006 wurde ich ein paar Mal auf mein Englisch angesprochen.

Von daher hat die Sprache für mich keine wirkliche Barriere dargestellt und ich kam von Anfang an gut zurecht. Natürlich musste ich mich am Anfang erstmal auf den Akzent der Amis in den Südstaaten einstellen, und besonders bei den Schwarzen musste ich mich seeehr konzentrieren um zu sie verstehen, denn die haben nochmal ihr ganz eigenes Englisch :-)

Aber nach ein paar Wochen gewöhnt man sich daran, und fängt recht schnell an umgangssprachliche Ausdrücke auch in den eigenen Wortschatz mit aufzunehmen und anzuwenden. So sind Wörter wie „alrighty“ und Ausdrücke wie „oh my gosh“ , die ich mehr mals täglich verwende, ganz klare Überbleibsel aus meiner Zeit in New Orleans, und „holy crab“ und „ey“ zwei Dinge die ich hier aufgeschnappt habe ;-) Durch die vielen Australier hier habe ich mir zum Beispiel auch angewöhnt statt „how are you“ häufiger mal „how’s it goin’“ zu sagen. ;-)

Neben all diesen netten aber recht sinnlosen Wörtern, hat sich mein Wortschatz aber auch so um Vieles erweitert, und ich merke mittlerweile wie ich beginne teilweise sogar auf englisch zu denken. Buchstabieren zum Beispiel tue ich mittlerweile automatisch auf englisch; da muss ich manchmal dann sogar echt überlegen wie der Buchstabe denn jetzt eigentlich auf deutsch ausgesprochen wird. Genauso fallen einem manchmal manche Wörter so auf die Schnelle nicht mehr auf deutsch ein, dann sitzt du kurz echt da und bist am Überlegen ;-)

Was meinen Träume angeht, so träume ich mittlerweile in beiden Sprachen. Selbst wenn in meinem Traum Leute mit mir sprechen die im echten Leben niemals auf englisch mit mir reden würden ;-) Das ist dann immer ganz besonders lustig

Abschließend bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass ich ein wirklich tolles Jahr hatte!!! :-)

Mir kommt es zwar einerseits so vor, als wäre es wie im Flug vergangen, aber dann denke ich an all die Dinge die ich erlebt habe und es fällt mir fast schon schwer zu glauben, dass das alles in nur zwölf Monate verpackt werden kann...

Aber ob nun lang oder kurz: so viel erlebt hätte ich nie wenn ich nicht den Mut gehabt hätte einen so großen Schritt alleine zu gehen! Ich bin froh darüber die Möglichkeit zu haben, ein solches Abenteuer in mein Leben einbauen zu können und kann kaum erwarten wie es weitergehen wird!!! ;-)

Aber egal was kommt, ich werde euch natürlich weiter fleißig darüber berichten ;-)

In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal! :-)))

To be continued...

Donnerstag, 10. Juli 2008

Johnson Lake, Whitewater Rafting und Canada Day

So, da bin ich wieder mit neuen Erlebnissen aus dem Vergnügungspark Banff! Drei freie Tage voller Spiel, Spaß und Spannung liegen hinter mir, und wiedereinmal kommen mir diese vor wie eine Woche Urlaub!

Sonntag – Badespaß im Johnson Lake

Pünktlich zum Wochenende zog ein gigantisches Hoch über Banff und brachte zum ersten Mal in diesem Jahr ein paar richtig heiße Tage mit sich. Und was macht man in Banff an einem solchen Tag am besten? Richtig, man packt die Badehose ein und fährt zum Johnson Lake. Dieser liegt etwa 12km nordöstlich von Banff, und ist einer der wenigen Seen in denen man im Sommer baden kann, ohne sich dabei die ein oder andere Gliedmaße abzufrieren ;-)

Da viele Touristen diesen See auf ihrem Weg zu Lake Minnewanka leich übersehen, findet man dort vor allem viele Einheimische die sich am Strand sonnen oder schwimmen gehen.

Aber da wir ja nun auch schon alle ne ganze Weile in Banff sind, wissen wir natürlich nicht nur ganz genau wo’s langgeht sondern kennen sogar den ein oder anderen Schleichweg dorthin ;-)

Und so fuhren wir mit dem Fahrrad quer über den Transcanada Highway, an Cascade Ponds vorbei, schoben die Räder steil Bergauf über Stock und Stein, und fuhren dann schließlich querfeldein bzw. auf einem kleinen Trampelpfad bis hin zum See. Dort wartete schon Shino auf uns, die mit dem Auto vorgefahren war um noch ein paar Sachen transportieren zu können. Dort angekommen breiteten wir unsere Decken und Handtücher aus, packten ein paar Snacks und die Drinks aus und genossen von da an einen relaxten Sommertag. Phil, Sam Shino und ich trauten uns sogar ins kalte Wasser ;-) Und was soll ich sagen: herrlich!!! Zwar kalt, aber wenn man erstmal drin war- einfach klasse!

Wir blieben so bis etwa 20.00 Uhr dort, dann verschwand die Sonne leider hinter den Bergen... Und während in Deutschland bereits alle schliefen, und das lausige Fußballspiel vom Abend davor zu vergessen versuchten, dachte von uns keiner mehr an das verlorene Finale vom Mittag, sondern ließ den Tag bei einem kleinen Barbecue bei uns zu Hause auf dem Balkon ausklingen ;-)


Montag – Whitewater Rafting auf dem Kicking Horse

Montag war dann der große Tag, auf den ich mich schon seit Donnerstag gefreut hatte. Amy, die in der Terrace Lounge arbeitet, hat eine Wildwater Rafting Tour gebucht, zu deren glücklichen Teilnehmern ich mich zählen durfte :-))))

Außer mir waren noch Sam und Dennis, Sophie und Annette, Amy und Hannah, sowie zwei von Amys Freunden mit von der Partie. Trafen uns alle gegen Mittag in der Kantine des Hotels, und fuhren dann mit dem Autos etwa eineinhalb Stunden Richtung Westen zur Wild Water Adventure Base im Yoho National Park.

Dort angekommen bekamen wir eine Einführung ins Rafting, sowie die komplette Ausrüstung samt Erklärung wie diese anzuziehen und anzulegen ist. Voll gepackt mit ein paar wasserdichten Schuhen, einem Wetsuit (sieht aus wie ein Taucheranzug), einer gelben Regenjacke, einer Rettungsweste und einem Helm ging’s dann in die Umkleidekabinen. Und wer schonmal einen hautengen Wetsuit, in dem man kaum atmen kann, angezogen hat, der weiß was das für ein „Spaß“ ist. Aber nachdem dann der erste Schock beim Blick in den Spiegel überwunden war („oh gott bin ich fett“, „vergiss es, ich komm hier nie mehr raus“ usw...) fand sich doch die ganze Gruppe wieder vor der Base ein und wurde nochmals mit den wichtigsten Regeln beim Rafting, dem sogenannten safety briefing, vertraut gemacht. Und dann ging’s in die Schlauchbote...

Auch an diesem Tag war es wieder superwarm, und sonnig. Und da der Fluss durch das ganze Schmelzwasser der Berge ein Höchststand an Wasser trug, hatten wir ideale rafting Bedingungen: eineinhalb Stunden verbrachten wir auf und unter Wasser, durchquerten reißende Stromschnellen, und überwanden größere und kleinere Wellen.

Auf einer Strecke von insgesamt 4 Kilometern am Stück zeigte uns der Kicking Horse was es heißt in Class IV Water zu raften. Class IV bedeutet soviel wie „hier wirst du auf jeden Fall nass“! Gleichzeitig, oder gerade deshalb gibt’s aber auf der Spaßskala volle 10 Punkte. Die Stromschnellen in diesem Bereich tragen Namen wie „Roller Coaster“ und „Shotgun“ und zaubern ein „big smile“ in die Gesichter aller Beteiligten. Aber schaut doch einfach selbst:

Whitewater Rafting Kicking Horse

Auf dem Heimweg machten wir dann noch zwei Zwischenstopps. Einmal um uns die Wapta Falls anzusehen; etwas das uns unser Guide nahegelegt hatte, und dann nochmal in Lake Louise. Dort aßen wir dann in einem Familyrestaurant zu Abend und erlebten dabei unseren ersten Stromausfall ;-) Als letzte Gäste hatten wir Glück dass sie unser Essen noch zubereiten konnten, allerdings musste jeder bar bezahlen, da das Abrechnungssystem für Karten natürlich nicht mehr funktionierte;-) Und als wir dann schließlich heim fuhren konnten wir uns nur glücklich schätzen genug Benzin im Auto zu haben, und nicht wie viele Leute an der Tankstelle festzusitzen um auf die Rückkehr des Stroms zu warten...

Wapta Falls

Dienstag – Canada Day!

Beim Canada Day am 1. Juli durften wir dann alle etwas Patriotismus üben. Also trafen wir uns alle nachmittags in Banff um die Parade anzusehen und nochmal am späten Abend für das Feuerwerk. Und jetzt mal Hand auf’s Herz: wer uns (Schweizer, Deutsche, Australier und Engländer) bei der Parade am Straßenrand sitzen sehen hat, bestückt mit kleinen Kanadaflaggen, gedressed in rot und weiß, und mit teilweise sogar rot-weiß gefärbten Haaren, der musste einfach zugeben: „kein Kanadier war patriotischer als die foreign workers :-)"

Canada Day

Mittwoch, 25. Juni 2008

Banff – adventures unlimited!!!

Oh Mann, dieses Mal hab ich so viel zu erzählen, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll. Hab in den letzten paar Tagen so viel gemacht und erlebt, dass es mir so vorkommt als wären vier Wochen, und nicht nur vier Tage vergangen...

Aber fangen wir doch mal bei Freitag an. Tagsüber war es noch ein ganz normaler Arbeitstag, aber als ich dann abends aus dem Hotel raus bin, war es noch so herrlich warm und sonnig draußen, dass ich beschloss noch eine kleine Runde mit dem Rad zu drehen. Direkt hinter dem Hotel liegt der Fenland Trail, von dem aus eine Abzweigung zu den Vermillion Lakes führt– und genau die waren mein Ziel an diesem Abend!

Der Trail dorthin ist nicht wirklich lang oder anstrengend – im Gegenteil immer nur gerade aus auf ebener Strecke, dafür aber umso schöner. Aber schaut doch einfach selbst:

Vermillion Lakes

Am Samstagabend fand dann das alljährliche Sommerbarbecue bei Beth zu Hause statt. Normalerweise läd sie dazu vorwiegend Leute aus den administrativen Bereichen des Hotels ein. Dieses Jahr allerdings überließ sie die Gästeliste mir ;-) Da das BBQ auch mit als Goodbye Party für Phil und Kelly gedacht war wollte sie dieses Jahr nur Leute einladen mit denen wir üblicherweise so rumhängen. Sprich im Endeffekt war es für uns eine Party mit der üblichen Clique jedoch ohne den Stress selbst was organisieren zu müssen ;-) Zehn bis zwölf Leute zu finden war echt ein Kinderspiel, und so fanden wir uns dann alle pünktlich um 6.30 Uhr bei Beth im Haus ein, wo sie bereits mit Snacks und coolen Drinks auf uns wartete.

Da es auch an diesem Abend wieder schön warm war, saßen wir alle lange auf der Terrasse, futterten was das Zeug hielt, redeten und lachten viel und genossen Beths Gastfreundschaft, die es an nichts fehlen ließ.

Gegen elf Uhr machten wir (die Übriggebliebenen) uns dann aber doch auf den Heimweg. Wir, das waren Katrin, Sam, Phil, Kelly Claudia und ich. Und wer schonmal eine Gruppe von aufgedrehten, bestens gelaunten und kichernden Mittzwanzigern bei Nacht auf ihrem Weg nach Hause begegnet ist, der weiß was das für ne Gaudi ist; -) Ganz nach dem Motto „the night is young and so are we“ liefen wir quer durch den dunklen Wald mit Zwischenstop am Spielplatz (wir konnten der Rutsche einfach nicht wiederstehen;-)) und dann durch die stockfinsteren Cascade Gardens Richtung Banff Avenue.

Auf Banff Avenue hatten wir dann eine etwas unangenehmere Begegnung mir der RCMP, der Royal Canadian Mountain Police. Wir, das waren eigentlich nur Sam, Phil und Kelly, die hatten nämlich jeweils ein Bier in der Hand, dass sie während des Heimwegs tranken. Allerdings, und das muss man wissen, ist es hier in Kanada verboten alkoholische Getränke auf offener Straße zu verzehren. Und da die beiden Officers nichts besseres zu tun hatten, stellten sie den dreien dann gleich mal ein Ticket aus: $157, wegen einer Dose Bier!!!

Tja, andere Länder andere Sitten - da half auch bitten und betteln nichts ;-)

Das Ticket ärgerte die drei zwar, dennoch verdorb es ihnen nicht komplett die Laune am Abend, und so gingen wir dann noch für ein paar Stunden zu Katrin, bevor wir dann schließlich alle in unsere Betten fielen.

Am Sonntag dann feierten wir Susans Geburtstag mit einem Barbecue im Recreation Park. Wer Susan noch nicht kennt hier eine Kurzfassung: Susan kommt aus England, arbeitet als kitchen helper bei uns im Hotel und ist nach Alana meine neue roommate. Am 22. Juni feierte sie ihren 49. Geburtstag mit einer Horde Mittzwanziger. Aber ganz ehrlich- ich glaube das hat ihr gut getan! Seitdem ist sie etwas aufgetaut, und wir kommen ganz gut miteinander aus.

Aber nun zur eigentlichen Geburtstagsfeier. Wie schon gesagt fand diese im Recreation Park hier in Banff statt. Ein großes Barbecue zu dem allerlei Leute aus dem Hotel kamen. Wir grillten, spielen Tennis, Volleyball und Frisbee zusammen, und hatten jede Menge Spaß! Nach dem Barbecue leihten wir uns noch einen Film in der Videothek aus, den wir dann alle zusammen bei uns im Appartement anschauten. Ich glaube es wurde wieder ein oder zwei Uhr morgens bevor wir ins Bett kamen ;-)

Susan's birthday

Allerdings hieß es am nächsten Tag (relativ) früh aufstehen! Denn am Montag gingen Kelly, Annette, Vanessa, Jessica und ich zum rock climbing. Die Idee kam uns während des BBQ, und ehe wir uns versahen standen wir bei Banff Adventures im Office und buchten die Tour für den nächsten Tag!

Also trafen wir uns morgens zum Frühstücken in einem kleinen Café hier in der Stadt, und gingen dann gestärkt (aber immer noch etwas müde) zu dem Treffpunkt, wo unser Tourguide schon auf uns wartete. Nachdem die Formalitäten abgehakt waren fuhren wir zu dem Kletterfelsen. Wir bekamen die basics des Kletterns erklärt, schlüpften in unsere Kletterausrüstung und dann ging’s los. Einer nach dem anderen erklomm den „Gipfel“ und genoss von dortaus für ein paar Sekunden die Aussicht bevor es wieder ans Abseilen ging. Dann wurde getauscht, das heißt der Gipfelstürmer wurde zum Sicherungsmann am Boden und anders herum.

Nachdem wir den einfachen Felsen alle zweimal rauf und runter geklettert sind, ging’s zur anderen Seite des Felses. Hier erforderte es schon mehr Geschick bis an die Spitze zu kommen, aber auch das haben wir geschafft ;-)

Nach vier Stunden intensiven Kletterns und jeder Menge Spaß dabei ging es dann wieder nach Hause. Aber eins kann ich euch sagen: "mann, war das ein Muskelkater am Tag dannach...:-("

Rock Climbing



Sonntag, 25. Mai 2008

Eine kleine Zwischenbilanz

Da ich von Mama immer erzählt bekomme dass ihr alle immer sehnsüchtig auf neue Berichte wartet, und angeblich immer soooo viele Fragen habt, die sie dann kaum beantworten kann widme ich heute mal einen Bericht den Dingen mit denen ich meine Zeit verbringe, bzw. den Unterschieden zwischen hier und New Orleans.

Eigentlich wollte ich euch ja den gähnenden Alltagskram ersparen, aber für die neugierigen Leser unter euch, hier also die Antwort auf (hoffentlich) alle Fragen:

Ich glaube die häufigste aller Fragen dürfte wohl die nach meinem Befinden sein ;-) Und da kann ich nur sagen: mir geht es hervorragend!!! Ich bin jetzt seit einem knappen viertel Jahr hier, und während in New Orleans nach dieser Zeit bereits die ersten Zweifel aufkamen, bestätigt sich hier jeden Tag aufs Neue, dass ich alles richtig gemacht habe.

Aber fangen wir doch mal bei meinem Job an. Was hat sich da so gebessert? Also, wie ihr wisst arbeite ich momentan ja in der Zimmerreservierung. War am Anfang zwar nicht so aufregend, da ich ja eher nicht so der Bürotyp bin, aber ich muss sagen man gewöhnt sich dran. Das einzige was mir manchmal fehlt ist der Kontakt zu den Gästen, den ich ja jetzt nur noch am Telefon habe. Andererseits hat das manchmal auch Vorteile, wenn ich an all die Freaks zurückdenke, mit denen ich schon zu tun hatte :-) Wobei ihr glaubt gar nicht was für verrückte Gespräche ich auch jetzt noch manchmal führe...

Wenn ich nicht am Telefon hänge, bin ich mit allerlei Papierkram beschäftigt. Seien es die Anreisen der kommenden Tage die nochmals auf ihre Richtigkeit geprüft werden müssen, oder die Verbuchung von online bookings ins Reservierungssystem, Tourgruppen (vorwiegend aus Japan) die bearbeitet werden müssen...Was halt so anfällt.

Mit mir im Office sitzen noch zwei nette Damen: Olga und Beth. Beth ist Reservation Manager, und ich habe noch nie eine relaxtere Person getroffen! Beth ist die Lockerheit in Person, also ganz im Gegensatz zu meiner ehemaligen Chefin im Monteleone, die dich schon mit ihrem Blick töten konnte ;-)

Außerdem ist sie extrem hilfsbereit und großzügig; wann immer du Hilfe benötigst, auch privat (da ganz besonders), Beth ist stets bereit. Sei es dass die uns ihr Auto leiht, oder dich durch die Gegend fährt, uns mit Handtüchern, Regenschirmen und einem Wasserkocher versorgt hat; egal was du brauchst, sobald Beth davon Wind bekommt ist sie zur Stelle. (Von ihr habe ich auch mein Handy bekommen, damit ich kein neues kaufen musste ;-))

Und als Chefin ist sie auch echt angenehm. Wenn sie was braucht dann gibt sie dir genau vor bis wann sie das erledigt haben möchte, lässt dir aber völlige Freiheit wann und wie du etwas erledigst. Jeden Tag bevor sie geht bedankt sie sich bei uns für unsere Arbeit, und manchmal dreht sie sich auch völlig aus dem Nichts zu dir rum und sagt dir wir „pleased“ sie über deine Anwesenheit ist. Da geht man doch fast schon gerne arbeiten...

...wenn die freien Tage dann nicht doch noch besser wären ;-) Denn an denen kann ich mein neues Zuhause und all das was es zu bieten hat genießen. Denn Banff mag zwar klein sein, aber bieten tut es die komplette Bandbreite an Aktivitäten: Action, Abenteuer, Spaß, Erholung, Entspannung, Party- hier findest du echt alles. Wie ich schon mal sagte, Banff ist ein großer Spielplatz für junge Erwachsene. Im Winter regiert hier der Schnee und somit das Skifahren oder Snowboarden, (eins von beidem werde ich nächsten Winter anfangen), im Sommer Biken, Kanufahren, Klettern, Wildwater Rafting, etc. Du hast hier quasi alles vor der Haustüre. Wem hier langweilig wird ist selber Schuld!

Fenland Trail

Klar, all diese Sachen macht man natürlich nicht ständig (manches davon ist auch gar nicht billig) aber wenigstens hat man die Möglichkeit! Und selbst wenn man nichts davon macht so kann man hier doch normal und uneingeschränkt leben, da Banff alles bietet was man so im täglichen Leben braucht.

Okay für euch ist das nichts besonderes, aber wenn man mal in New Orleans gelebt hat, dann freut man sich schon über Alltäglichkeiten wie einen anständigen Supermarkt (zu dem man nicht erst mit dem Taxi fahren muss)

Nee, im Ernst, so Dinge wie eine Post, ein öffentliches Schwimmbad, ein Kino, eine Bücherei, ein Spa, Zahnärzte etc, waren in New Orleans undenkbar. Ich mein, klar, die gab es da sicher auch irgendwo, aber ohne Auto hattest du keine Chance! Und das French Quarter bot nur das aller Nötigste, ganz so als würde dort niemand ernsthaft leben, sondern nur Touristen ihr Unwesen treiben!

Hier sind auch viele Touristen, keine Frage, aber in erster Linie leben hier Menschen, und diese Menschen brauchen eine anständige Infrastruktur- und dafür ist gesorgt!

Insofern steht hier einem anständigen Leben nichts im Weg, und wenn einen dann doch mal die Sehnsucht nach der großen Stadt überkommt, dann fährt man halt nach Calgary. Etwas was ich bisher zwar noch nicht gemacht habe, aber definitiv noch auf meinem Plan steht.

Bisher war ich nur in Banff. Bis auf ein paar Stunden, die ich in Canmore verbracht habe. Habe mir nämlich vor zwei Wochen ein Fahrrad gekauft. Und da es in Canmore einen großen Sportshop gibt, der seine Räder „on spring sale“ hatte, bin ich morgens mit dem Bus nach Canmore und dann mit dem Fahrrad zurück gefahren. 25 km am Trans Canada Highway entlang, teilweise über mehrere Kilometer langsam aber stetig bergauf - ja, und nachdem ich etwa sieben Monate kein Fahrrad mehr gefahren bin, tat mir der Hintern ganz schön weh als ich wieder zu Hause war. (Und auch noch zwei Tage danach L)

Aber, - jetzt habe ich ein Fahrrad, und bin darauf stolz wie Oskar J Habe letzten Sonntag auch schon meine erste richtige Fahrradtour auf dem Spray River Trail gemacht!

Oh Mann, das war ein Ding, kann ich euch sagen: die eine Seite vom Fluss ging ja noch, teilweise ging’s zwar steil bergauf und –ab, und dazu noch ziemlich steiniger Weg, aber es war zu schaffen. Auf der anderen Seite vom Fluss dann aber die Überraschung! Plötzlich war der Weg weg. Also, was heißt weg, der Weg war schon noch da, aber durch das ganze Schmelzwasser, dass von den Bergen kommt, total überflutet. Tja, was nun? Rumdrehen und alles zurück – nee danke!!! Also dann, Hose hochkrempeln und durch J Hab noch zwei andere Biker getroffen die vor der selben Entscheidung standen und mit denen ich dann zusammen weitergefahren bin. Was auch gut war, denn der überschwemmte Weg war nicht das einzige Hindernis dass es zu überqueren galt!

Kaum hatten wir den kleinen See hinter uns gelassen, kreuzte auf einmal ein Wasserfall unseren Weg. Etwa 2,5m – 3m breit, rauschte das Wasser an uns vorbei. Na super, was jetzt? Die beiden Jungs, beides erfahrene Mountainbiker, nahmen etwas Anlauf und fuhren einfach durch. Den ersten legte es dabei beinahe hin, der zweite schaffte es grade so durch, ohne an einem der Felsbrocken hängen zu bleiben. Ihr könnt euch also denken wie’s mir ging, als ich die beiden auf der anderen Seite gesehen habe, und wie sie da auf mich warteten. Ich dachte mir nur „hey, ihr glaubt doch nicht im Ernst dass ich da jetzt auch durch fahre?!?!?“

„Na komm, mit Schwung schaffst du’s durch!“ (Oh Gott, die glauben das also wirklich!) Hmmm, okay, viel anderes bleibt mir ja auch eigentlich nicht übrig, also 1...,2...,3...los.

Ich trat in die Pedalen und dann ging’s quer durchs Wasser über jede Menge Steine hin zur anderen Seite. Als ich fast drüben war, blieb mein Vorderrad an einem Stein hängen. Logischerweise verlor ich den Schwung und musste mich schnell mit meinem Bein abstützen um nicht umzukippen. Ich setzt also schnell meinen Fuß ins Wasser, aber zu spät - ich kippte mit samt dem Rad um und befand mich auf einmal sitzenderweise im rauschenden Wasser ;-) Justin und Peter halfen mir dann wieder raus, aber ich war klatsch nass J Gott sei dank war es an dem Tag echt warm, und meine Sachen trockneten schnell wieder. Außerdem waren meine Turnschuhe wenigstens wieder sauber (die waren nämlich total matschig, nachdem wir den überschwemmten Pfad durchquert haben) War also alles nicht so schlimm, aber dumm ausgesehen hat’s bestimmt J

Naja, jedenfalls kamen noch mal zwei Wasserfälle die wir überqueren mussten, bei einem schob ich mein Rad durch (meine Schuhe waren ja eh schon durchtränkt ;-)) beim anderen halfen mir die Jungs noch mal indem sie es rübertrugen, und ich so einfach nur durchlaufen musste J Ist schon schön ein Mädchen zu sein ;-)

Hab leider nur ein paar Fotos vom ersten Teil des Trails, da ich mich auf dem zweiten Teil einfach zu sehr auf die Strecke konzentrieren musste, als dass ich Zeit gehabt hätte Bilder davon zumachen. (Obwohl ich jetzt im Nachhinein schon ganz gerne das ein oder andere Bild unserer Hindernisse gehabt hätte, manno!!!) Naja, ein anderes Mal.

Spray River Trail

Nach der Radtour saßen wir noch ein bisschen am Bow River herum um uns zu sonnen (in meinem Fall eher zum Trocknen J), und als wir allmählich Hunger bekamen entschlossen wir uns noch schnell ein paar Burger zu kaufen und dann zu grillen. Ah, by the way, das ist noch etwas was einfach toll ist hier in Banff: egal wohin du gehst, du triffst immer nette Leute die dieselbe Idee hatten wie du. Und eh du dich versiehst hast du neue Bekannte mit den du rumhängen kannst ;-)

So, jetzt ist der Bericht ja doch ganz schön lang geworden. Hätte ich gar nicht gedacht. Und dabei hab ich doch noch gar nicht alles erzählt was ich in den letzten Wochen noch so gemacht habe. Aber was soll’s kann ja noch mehr Berichte schreiben, gell?

Also dann, immer schön dran bleiben- Fortsetzung folgt!