Eine schöne Seite des Hotelbusiness ist, dass man als Mitarbeiter immer wieder mal die Möglichkeit bekommt Dinge gratis ausprobieren und tun zu dürfen, für die man als Gast oder Tourist sonst ein Heidengeld liegen lassen muss. ;-)
Ermöglicht wird einem das durch sogenante FAM Trips. Organisiert werden diese Trips meist von diverse Unternehmen aus der Tourismusbranche. FAM steht kurz für „familiarize“- also „sich mit etwas vertraut oder bekannt machen“. Und damit hätten wir auch schon rausgefunden, worum es bei diesen Trips geht: Hotelmitarbeiter sollen, in dem sie es einmal selbst ausprobieren dürfen, mit dem „Produkt“ das angeboten wird vertraut gemacht werden, so dass sie es dann ihren Gästen weiterempfehlen können. Wenn man das so liest, dann klingt das wahrscheinlich relativ trocken und langweilig; wohl mehr nach einer Schulung mit langwierigen Präsentationen etc. Wenn man nun aber bedenkt, dass sich hinter diesen „Produkten“ so Dinge wie Dogsledding, Skifahren, Snowmobilin, Wildwaterraften, ice climbing usw. verbirgt, dann wird schnell klar, dass das ein riesen Spaß ist, und von Mitarbeitern auch gerne angenommen wird. :-))) Ich habe bisher an drei solcher FAM Trips teilgenommen. Und um euch einen kleinen Einblick zu geben was ich dabei so erlebt habe, will ich heute schonmal einen kleinen Einblick in zwei der drei ermöglichen.
Banff Gondola Alpine Lights

Der erste FAM Trip an dem ich teilnehmen konnte, wurde von der Banff Gondola organisiert. Unter dem Motto „Alpine Lights“ wurden wir am 9. Dezember zu einer Gondelfahrt im Dunkeln, und einem Abendessen mit anschließender Unterhaltung eingeladen. Angefangen hat das ganze gegen 18.00 Uhr. Zuerst trafen sich alle Teilnehmer aus der Branche am Fuße des Sulphur Mountain. Aus unserem Hotel waren neben mir, noch meine Kollegin, und vier

Mitarbeiter vom Front Desk vertreten. Wir wurden erst von den Mitarbeitern der Gondelstation herzlich willkommen geheißen, dann ging es in Vierergruppen rauf auf den Berg. Sehen konnte man die Fahrt über allerdings nichts. Banff lag, bis auf die spärliche Straßenbeleuchtung, im Dunkeln. Die schattigen Umrisse der umliegenden Berge waren von der Schwärze der Nacht kaum zu unterscheiden. Allerdings war jede einzelne Gondel mit kleinen Lichterketten verziert worden, dadurch sah es so aus als würden Gruppen von Glühwürmchen im Abstand von etwa 20m den Berg hochfliegen ;-)))

Oben angekommen gab es dann erstmal einen Begrüßungsdrink gefolgt von einer Rede des Leiters der Station. Nach etwa einer Stunde wurde dann das Buffet eröffnet. Nachdem sich dann jeder den Bauch vollgeschlagen hatte wurden ein paar Spiele mit den üblichen „Freiwilligen“ gemacht. Als Preise konnten Dinge aus dem Souvenirshop gewonnen werden. Wir

blieben so bis etwa 21.00 Uhr auf der Station, dann wurde es uns aber um ehrlich zu sein etwas zu langweilig und wir entschlossen uns dazu wieder runter zu fahren. Kurz bevor sich allerdings die Türen der Gondel schlossen, wurde noch das übliche Souvenir- Erinnerungsfoto geschossen, dass wir dann, unten angekommen, samt dem klassischen Banff Gondola Rahmen mitnehmen durften – natürlich auch umsonst, versteht sich ;-)))
Toby Creek Adventures: Snowmobiling in Panorama
Auf meinen zweiten FAM Trip habe ich mich ganz besonders gefreut!!! Denn snowmobiling ist nicht nur etwas, was ich sowieso schon unbedingt einmal machen wollte, sondern auch etwas das normalerweise ein kleines Vermögen kostet! Aber Toby Creek Adventures hat es möglich gemacht, für nichts weiter als einen Anruf :-)))
Und so ging es für mich und Felix, einem Deutschen, der bei uns am Front Desk arbeitet, am Dienstag den 16. Dezember morgens um 8.00 Uhr los. Wir wurden mit dem B

us vor unserem Hotel abgeholt, und dann in das etwa zweieinhalb Stunden entfernete Panorama Mountain Village gefahren. Panorama befindet sich in British Columbia, und ist bereits Teil des Kootenay National Parks und der Kootenay Mountains. Ist also genaugenommen nicht mehr Teil der Canadian Rocky Mountains, sondern liegt westlich dahinter. Allerdings hat man von dort aus einen fantastischen Blick auf die Rocky Mountains!!!
Und überhaupt, eine Gegend die auch „mountain playground“ genannt wird kann ja nur spaßversprechend sein.

Als wir dann in der "Basis" von Toby Creek Adventures angekommen sind wurde jeder mit der nötigen Ausrüstung wie Stiefeln, wenn nötig einem Schneeanzug, einem Helm und einem GPS Gerät ausgestattet. Dannach ging es zu den Snowmobilen. Wir bekamen eine kurze Einführung in die Welt der PS starken Schneeschlitten und dann ging es schon los. Nachdem jeder sein Mobil gestartet hatte, fuhren wir alle erst ein paar Runden durch einen kleinen Parkour im Hinterhof. Das gab einem die Gelegenheit sich mit dem Fahrverhalten eines solchen Mobils vertraut zu machen und sich an die ein oder andere Schwierigkeit dabei zu gewöhnen. Nachdem wir alle als fahrtauglich eingestuft worden waren, ging es dann schön hintereinander in Gruppen von jeweils fünf Leuten, den Berg rauf!

Kurve um Kurve ging es höher und höher. Die Aussicht wurde zunehmend besser an diesem sonnigen Morgen und gab eine Sicht frei auf die umliegenden Berggipfel und das Panorama der Rocky Mountains.
Mit einem Snowmobile den Berg hinauf zu fahren ist ein riesen Spaß! Man erreicht mit Leichtigkeit Höhen für die man stundenlang wandern müsste und der Fahrtwind erfrischt das Gesicht. Allerdings, und das ist einer der größten Nachteile, muss man sich die ganze Zeit voll auf den Weg konzentrieren. Wenn man die Aussicht genießen möchte, muss man anhalten. Denn sich während der Fahrt auch nur kurz rumzudrehen ist fast unmöglich!
Als wir dann oben angekommen sind wurden wir von ein paar der Guides auf einer Hütte in Empfang genommen. Es gab gegrillte Burger oder HotDogs zu essen, dazu heiße Schokolade oder Tee und die Füße konnten an einem Kaminfeuer aufgwärmt werden. Nachdem dann alle knurrenden Mägen gefüllt waren ging es mit den Snowmobils auf die „Spielwiese“. Darunter muss man sic

h ein riesen großes, unberührtes Schneefeld vorstellen auf dem kreuz und quer, gerade so wie man wollte „gecruist“ werden durft ;-) Man konnte sich und alles was das Snowmobil einem hergibt ausprobieren: durch den Tiefschnee fahren, dabei hoffen dass man nicht stecken bleibt oder sich festfährt, mal richtig Gas geben, sich in die Kurven legen usw. Was immer das Snowmobiler Herz begehrt! :-)))
Und auch wenn das alles zwar wirklich Spass gemacht hat, muss ich zugeben, dass das dann zeitweise doch auch ziemlich beängstigend war! In diesen Maschinen steckt so wahnsinnig viel Kraft, und wenn man es nicht gewohnt ist, und nicht weiß wie man mit all dieser Kraft umzugehen hat, dann beginnt man sich recht schnell die Frage zu stellen, wer da eigentlich wenn unter Kontrolle hat?! Denn kaum lässt man es mal ein bisschen laufen, bekommt man schnell das Gefühl nicht mehr Herr über die Maschine zu sein. Ein Gefühl, das ich gar nicht mag!!!
Nachdem wir dann also eine Weile „gecruist“ sind und uns ausgetobt

haben, ging es wieder zurück zur Hütte. Es gab nochmal heiße Getränge um sich aufzuwärmen und einen riesen Cookie zum knabbern. Bevor wir uns wieder alle auf den Rückweg begaben, hatten wir noch etwa eine halbe Stunde Zeit das einzigartige Panorama anzuschauen und zu genießen, oder aber, wie die meisten von uns, in diesen Unmengen von Schnee zu spielen! :-) Wir wurden alle wieder wie kleine Kinder bei dem Anblick von über einem Meter Tiefschnee. Stapften durch den tiefsten Schnee, so dass er bis zu unseren Knien oder höher reichte, ließen uns dann komplett hineinfallen, machten Schneeengel, bewarfen uns mit Pulverschnee, und was uns halt sonst noch so für Blödsinn einfiel...
Aber wie das so ist, ist jeder Spaß auch mal vorbei, und etwa eine halbe Stunde später ging es dann tatsächlich wieder zurück. In Fünfergruppen fuhren wir wieder den Berg runter.

Wir machten nur einen kleinen Zwischenstop beim „Frozen Waterfall“, also einem Wasserfall, der komplett zugefroren war. Unsere Gruppe nahm sich die Zeit den Wasserfall rauf zu kletter; so gut das eben möglich war. Auf einem kleinen Felsvorsprung blieben wir dann eine Weile sitzen, und versuchten unserem Gehirn begreiflich zu machen, dass wir gerade hinter einem Wasserfall saßen!!! Nachdem wir diese Tatsache dann so einigermaßen begriffen und verarbeitet hatten, wurde uns zum ersten Mal bewusst das wir ja da auch irgendwie wieder runter mussten. Denn wie sagt man so schön: „Wenn es schon schwer war hochzuklettern, dann wird es noch viel schweren wieder runterzukommen“

Tja, da saßen wir nun, in etwa 15 Metern Höhe, auf bzw. hinter oder in einem Wasserfall, und überlegten eisern wie wir da wohl wieder unverletzt runterkommen würden. Also rutschten wir vorsichtig auf unseren Hintern immer weiter vor, haben dabei mit den Händen alles Greifbare umklammert. Irgendwann ging es dann aber nur noch steil hinab. Das war so steil, das man selbst im Sitzen, direkt seine Füße sehen konnte, wenn man an sich runter geguckt hat. Das eigene Herz fing an Purzelbäume zu schlagen, der Verstand hat einem die grausamsten Horrorszenarien ausgemalt, aus kindlichem Spiel wurde erwachsener Ernst! Doch noch bevor sich wirklich Angst oder Panik in einem breit machen konnte, holte man noch einmal tief Luft...3...2...1... und hat losgelassen: Fast senkrecht ist man auf dem Hintern das Eis runtergeruschte, über einen kleinen Hubbel geschanzt und dann unten in einem Meter Tiefschnee sacht aufgekommen. Und auch wenn zwar jeder von uns nach dieser steilen sekundenschnellen Rutschfahrt erstmal total lachen musste als er unten angekommen ist, war doch wohl jeder innerlich total froh und erleichtert, dass er wieder Boden unter den Füßen hatte. ;-))
Als wieder alle Gruppen an der „Basis“ angekommen waren (wir waren die letzten ;-)) *oooops*) und sich jeder seiner Austrüstung entledigt hatte, ging es mit dem Bus wieder zurück nach Banff. Müde und erschöpft wie wir alle waren nach so viel Frischluft, Adrenalin und Spaß ging die Fahrt vorbei wie im Flug: Augen zu, Augen auf- schon da! Und so ging er zu Ende: ein super Tag mit super Wetter, und super viel Spaß im Mountain Playground!!! Und wer wissen möchte welcher nun mein dritter FAM Trip war, und wohin der mich gebracht hat, der muss dran bleiben bei „Nicki’s Mountain Adventures“...