Montag, 18. Februar 2008

Behördenwahnsinn- oder, how to get a canadian work permit

Wie bereits in meinem letzten Bericht erwähnt, habe ich New Orleans und somit die Staaten verlassen, bin stattdessen nun in Kanada gelandet, habe mich auf Jobsuche begeben, und auch glücklicherweise nach nur zwei Wochen suchen bereits ein Jobangebot bekommen:-)

Heute möchte ich euch nun ein wenig an der Odyssee teilhaben lassen durch die ich seitdem gegangen bin. Denn wer glaubt das mit dem Joboffer allein schon alles getan ist, der irrt gewaltig!!! Nur so viel vorweg- endgültig hier arbeiten zu dürfen benötigt viel Vorbereitung, unwahrscheinlich viel Papier, eine gewisse Interpretationsgabe und vor allem Geduld und starke Nerven!!!

Zum besseren Verständnis ein paar allgemeine Informationen vorweg:

Um als Ausländer legal in Kanada arbeiten zu dürfen, braucht man eine work permit, also eine Arbeitserlaubnis. Dabei handelt es sich um ein Din A 4 großes Stück Papier, dass nett bedruckt wurde damit es schön amtlich aussieht, und auf dem ganz genau steht für welche Position, in welchem Unternehmen, und für wie lange diese Erlaubnis erteilt wurde.

Dieses Papier in den Pass getackert zu bekommen ist also das absolute, über allem stehende Ziel, dass es zu erreichen gilt. Doch wie kommt man nun an ein solches Dokument?

Grundsätzlich benötigt man vor allem zwei Dinge: ein gültiges Job offer, sowie eine „positive LMO“. LMO steht für Labour Market Opinion; wobei es sich um ein, vom Staat ausgestelltes Schriftstück handelt, dass absegnet die offene Stelle mit einem ausländischen Arbeiter zu besetzen. Solch eine LMO muss der Betrieb beantragen, und wird einem dann mit dem Vertrag zusammen zugeschickt. Erst jetzt kann man eine Work Permit beantragen!!!

Where to apply? Der Antrag auf eine Arbeitserlaubnis für Kanada muss immer aus dem Ausland gestellt werden. Im Normalfall also auf dem kanadischen Konsulat, in dem jeweiligen Heimatland des Antragstellers. Da ich aber kein Normalfall war, da bereits in Kanada, traf ich hier auf die erste Hürde. Welche Botschaft ist für mich, in meinem speziellen Fall zuständig??? Verunsichert riefen wir bei der canadian immigration hotline an, um uns von einem Officer Auskunft darüber geben zu lassen, wo ich denn nun meine Unterlagen hinschicken sollte. Kein Problem, schick deine Unterlagen einfach zu der, von deinem jetzigen Wohnort nächstgelegen Embassy, also nach Buffalo, war seine Antwort!!!

Gut, wäre das also geklärt!!! So, was brauch ich noch. Die kanadische Webseite besagt folgendes: du brauchst, ein Job offer, die LMO, einen Nachweis über deine Qualifikation für den Job (es reicht ein Lebenslauf), sowie einen gültigen Pass. Hab ich alles da, super, dann kann’s ja losgehen...!

Wie? Das klingt euch zu einfach? Ja, ihr habt ja recht - so ging’s uns nämlich auch. Das klingt nämlich schon fast zu einfach! Lass uns also lieber sicherheitshalber noch mal auf der direkten Internetseite von der Canadian Embassy in Buffalo nachschauen, was die für Anforderungen stellen.

Und da sah die Sache nämlich schon ganz anders aus: dort gab es nämlich nicht nur einen etwa 20 seitigen Guide über die Beantragung einer work permit, und eine zweiseitige application form namens IMM1295 die man auszufüllen hatte, sondern auch eine checkliste die etwa zehn bis zwölf Punkte umfasste! Mmmmmhh, okay?!

Als ich also jetzt noch mal anhand der Checkliste meine Sachen durchging, fehlten mir mehr als die Hälfte der angeforderten Dinge. Ich brauchte noch zwei Passbilder, ein in englisch, übersetztes Abschlusszeugnis, einen Nachweis über meine finanziellen Mittel, und... (und den Punkt mochte ich ganz besonders)... any additional documents. (Was auch immer darunter zu verstehen ist).

Die Fotos waren schnell gemacht, ebenso wie dieses IMM dingspums Form ausgefüllt. Das Zeugnis übersetzen lassen war da schon schwieriger, da die meisten Translation Offices das Original zum Beglaubigen sehen müssen. Sprich, ich musste mir mein Zeugnis aus Deutschland schicken lassen! Nachdem dieses auch dank DHL zwei Tage später da war, und ich wiederum ein oder zwei Tage später die beglaubigte Übersetzung abholen konnte, konnte ich wieder einen Punkt auf der Liste abhaken.

Mein größter Sorgenpunkt war allerdings nach wie vor der letzte: „any additional documents“

Was könnten die noch von mir haben wollen??? Also wieder im Internet recherchiert... Dabei habe ich herausgefunden dass in der kanadischen Botschaft in Berlin auf jeden Fall ein Führungszeugnis verlangt wird- in Buffalo zwar nicht direkt, aber es könnte sein, dass man danach gefragt wird (immer diese konkreten Aussagen...).Da ich auf Nummer sicher gehen wollte, habe ich also auch noch ein Führungszeugnis beim Bundesamt für Justiz mit dem Vermerk „eilt“ beantragt. Dieser Antrag musste natürlich, wie hätte es auch anders sein können, notariell beglaubigt worden sein; sprich ich musste auch noch ein Notar aufsuchen, so auf die Schnelle...

Denn, ihr müsst wissen, dass die Bearbeitung einer work permit application einige Wochen dauern kann. Und weder ich, noch mein zukünftiger Arbeitgeber wollten natürlich unnötig lange warten. D.h. je früher die application rausgeht, desto schneller konnte ich hoffentlich anfangen zu arbeiten.

Mit der Zeit wurde ich immer unsicherer was meine Papiere und die Vollständigkeit derselbigen anging. Je mehr ich im Internet an Informationen fand, umso mehr Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten vielen mir auf. Es schien als hätte jede Behörde wieder eigene Anforderungen an die Antragssteller. Teilweise traf ich auf Sätze die ich dreimal lesen musste bevor ich sie verstand- manche davon verstehe ich bis heute nicht!!!



13 Februar – die Erlösung

Dann am 13. Februar war es soweit- I was completely and utterly confused- sprich völlig verwirrt!!! In meiner Verzweifelung rief ich (bereits zum dritten Mal) bei der canadian immigration Behörde an. Ich hatte einen Officer in der Leitung, dem ich noch mal ganz von vorne meine Situation erklärte. Auf die Frage wo ich denn nun meine Papiere hinschicken sollte, Buffalo oder Berlin, meinte er nur ganz trocken: „du kannst sie nach Buffalo schicken, aber warum so ein Aufwand? - Fahr doch einfach über die Grenze in die Staaten, dreh dort rum, und bei der Wiedereinreise nach Kanada holst du deine work permit im immigration office ab! Wir nennen das einen sogenannten „u turn around the flagpole“...

...Ähm Moment, hab ich das jetzt richtig verstanden? - Ich muss meine Papiere nicht einschicken? Ich konnte gar nicht glauben was ich da eben gehört hatte. Um sicher zu gehen erklärte ich dem Officer noch einmal, dass ich weder Amerikanerin bin (die können das nämlich so machen), noch die Work Permit bereits beantragt hatte um sie quasi nur noch abholen zu müssen.

Daraufhin meinte er nur trocken, fast schon gelangweilt: „ja, ja- ich habe dich schon verstanden, trotzdem, so geht es am schnellsten. Und da du als Deutsche kein Visum brauchst, und bereits eine positive LMO besitzt, hast du alles was es benötigt. Das ist eine Standardprozedur!!!“

So so, eine Standardprozedur- Schon klar, verstehe!!! Deshalb kann man das auch überall nachlesen ;-)

Nur um das noch mal klar zu machen: ich sitze seit fast zwei Wochen vor dem Computer und durchstöbere das Web nach allen möglichen Informationen bezüglich Work Permit, (es gibt wirklich keine Seite im ganzen Internet, die sich mit eben diesem Thema beschäftigt, die ich nicht kenne), ich zermartere mir den Kopf darüber, wo ich nun welche Unterlagen, Original oder Kopie, beglaubigt oder nicht beglaubigt, in wie vielfacher Ausgabe hinschicken muss. Mal mir bereits die schlimmsten Horrorszenarien aus, was passieren würde wenn meine Unterlagen nach Wochen unbearbeitet zurückgeschickt werden, nur weil irgendwas nicht in Ordnung ist, um dann von einem Officer am Telefon gesagt zu bekommen, dass ich das alles gar nicht brauche!?!?!?!

Wenn es tatsächlich so laufen sollte, warum haben mich die anderen beiden Officer nicht bereits darauf aufmerksam gemacht???

Kurzum - ich hatte noch so meine Zweifel an der Durchführbarkeit dieses Vorschlags.

Als ich Papa davon erzählte meinte er nur: „weißt was, ob’s geht oder nicht finden wir schnell heraus- Lass uns einfach zum Flughafen fahren, die haben ja schließlich auch einen Port of Entry, und dort nachfragen.“ (Vor meinem inneren Auge habe ich schon die Beamten in schallendes Lachen ausbrechen sehen, wenn ich da mit meinen Papieren ankomme).

Als wir dann aber am Flughafen waren, und bei der Immigration Behörde ankamen trafen wir auf zwei sehr nette Officers. Eine Work Permit ausstellen konnten sie zwar nicht, da der Flughafen nicht als wirkliche Landesgrenze gilt, dennoch bestätigten sie uns dieses Verfahren.

Alles was wir tun mussten war also an eine richtige Landesgrenze zu fahren, z.B. die an den Niagara Fällen. Immer noch etwas ungläubig aber gespannt machten wir uns dann also auf den Weg Richtung Niagara Falls.

Dort angekommen wurden wir von einem canadian officer erst in die USA geschickt, (von wo ich irgendein Papier mitbringen musste, welches bestätigt, dass ich eben in den USA war, und nun wieder offiziell nach Kanada einreise).

An der amerikanischen Grenze wurden wir also rausgezogen. Erstens weil ich ja dieses Dokument brauchte, dass ja erst ausgestellt werden musste, und zweitens um den amerikanischen Beamten zu erklären, warum ich ein US Visum (gültig bis 2009) im Ausweis kleben habe, aber trotzdem nicht mehr unter J1 Status im Land bin...

Nachdem wir also ne Weile in den heiligen Räumen der „US costums and border protection border patrol“ gewartet haben, unsere Ausweise von bestimmt fünf verschiedenen Officern durch die Gegend getragen wurden bevor wir sie schließlich zurückbekamen (besonders lächerlich wurde es als uns ein Officer, mit unseren Ausweisen in der Hand, gegenüberstand, und uns aufforderte zu einem etwa 10 Meter entfernten Punkt zu fahren, wo er uns dann unsere Ausweise übergeben würde), durften wir wieder zurück nach Kanada fahren.

An der kanadischen Grenze wurden wir dann wie gewohnt gefragt was der Grund unserer Einreise sei. Wir sagten ich wolle eine work permit beantragen, was den Officer dazu veranlasste einen gelben Zettel mit folgenden Worten zu beschriften:„needs a work permit“.

Diesen Zettel sollte ich dann im Immigration Office abgeben. Gesagt getan, ich übergab den Zettel so wie meinen Arbeitsvertrag und die positive LMO an eine Beamtin die daraufhin begann irgendetwas zu bearbeiten. Während wir warteten versuchte ich an ihrem Blick irgendetwas abzulesen, was mir darüber Aufschluss geben würde ob dies nun ein erfolgreiche Aktion werden würde oder nicht. Allerdings war das schwer zu sagen, da der Blick recht ausdruckslos war :-) Zumindest macht sie mal irgendetwas mit meinen Unterlagen, und das war schon mal gut ;-)

Nach einer Weile rief sie mich wieder zu sich: ob ich denn wüsste dass eine Bearbeitungsgebühr gezahlt werden müsse? Ich bestätigte ihr dass ich das Geld bei mir habe, worauf sie dann meinte:“ ok, dann kannst du das Geld bei meinem Kollegen am nächsten Schalter einzahlen, währenddessen drucke ich hier deine Work Permit aus“.

Oh mein Gott! Hat sie gerade gesagt sie druckt meine Work Permit?!

Ich konnte es nicht glauben. Es hatte tatsächlich geklappt!!! Ich konnte den Stein der mir vom Herzen viel förmlich hören. Der ganze Ärger mit den Papieren in den letzten Tagen, die vielen Gedanken und Sorgen die ich mir gemacht habe, die Angst es könnte nicht klappen- all das war auf einmal wie weggeflogen...

Es war vorbei!!! Ich hatte es geschafft - ein Job, die Arbeitserlaubnis, und damit die Befugnis nun legal in Kanada leben und arbeiten zu dürfen, mein Neuanfang,...es hat wirklich geklappt!!!

In meinem Kopf schossen mir die Ereignisse der letzten Wochen durch den Kopf:

meine Kündigung, wie ich am 9. Januar ins Flugzeug gestiegen bin, in eine ungewisse Zukunft geblickt habe; und noch nicht wusste wo mich mein Weg hinführen würde- oder ob gar ich in eine Sackgasse gerannt war, das Risiko das ich damit eingegangen war, die unerschütterliche Hoffnung das doch alles Gut gehen würde...- und heute, am 13. Februar, nur fünf Wochen später, stehe ich hier an den Niagara Fällen mit meiner Work Permit im Ausweis - bereit meinen neuen Job anzutreten, in einem Hotel mitten in den Rocky Mountains, einer der schönsten Gegenden Kanadas...

Ich brauche glaube ich nicht zu erwähnen wie glücklich ich aus dem Immigration Office wieder rausmarschiert bin.

Bevor wir uns wieder auf den Heimweg begaben, standen wir noch eine Weile an den Niagara Fällen, die sich, passend zu meinem Glückstag (und irgendwie sehr symbolisch), von ihrer besten Seite zeigten: halb vereist und unter strahlend blauem Himmel, von der Abendsonne angestrahlt!!! Die beiden Regenbögen die man dabei noch in der Gischt des Wassers sehen konnte, waren daher schon fast zu schön um wahr zu sein!!!

Niagara Falls

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